Baubericht „DJURGARDEN 3“
Eigentlich wollte ich kein neues Modell mehr bauen. Aber diese kleine Fähre war dann doch zu interessant, mit den beiden Antrieben und Rudern an Bug und Heck. Falls man überhaupt davon reden kann, denn Bug und Heck sind ja identisch.
Die benötigten Bühler-Motoren waren noch am Lager und 2 kleine Servos lagen auch noch in der Ecke.
Also habe ich Christian Rex angerufen und ein paar Tage später hatte er den Baukasten mit nach Hamburg gebracht.
An dem Wochenende waren die internationalen Schiffsmodellbautage im IMMH. So entfielen die Transportkosten.
Ich konnte mir den fertigen Prototyp auch gleich ansehen. Ein außergewöhnliches kleines Schiffchen. Der Bau versprach eine Menge Spaß und Modellbauerfahrung.
Zur Historie des Schiffes erfährt man wenig. 1897 wurde es auf der Werft Brodins Varv in Gövloe, Schweden gebaut. Es hat eine Länge von 20,87 m, eine Breite von 5,80 m und einen Tiefgang von 1,7 m. Vermessen ist sie mit 62 BrT.
Der Antrieb erfolgt über eine Verbunddampfmaschine mit der sagenhaften Leistung von 50 KW. Der Kessel wird mit Holzkohle beheizt. 3 Mann Besatzung hat das Schiff und es erreicht eine Geschwindigkeit von 7 Knoten.
Von 2007-2009 wurde das Schiff renoviert und fährt heute im Charterverkehr im Stockholmer Hafen und den angrenzenden Gewässern. Befördert werden max. 97 Personen.
Zu Hause wurde ausgepackt und geschaut was ich noch brauchte. Zuerst ging ich mit den Schriftzügen zu einer Firma, die mir diese neu anfertigen und auf einer Transferfolie liefern sollte. Mit Abziehbildern in dieser Größe und der notwendigen Genauigkeit die Buchstaben zu platzieren habe ich so meine Probleme. Um die genaue Form der Buchstaben zu bekommen erhielt ich von Christian eine Datei, die ich an die Firma weitergab. Eine Standardformt haben die Buchstaben nicht.
In der Werkstatt habe ich dann die beiden Bug- und Hecksteven an den Rumpf gehalten. Die Rundung passte überhaupt nicht. Ich habe Bilder gemacht und an Christian geschickt. Nach einem Telefongespräch klärte sich der Fehler und ich erhielt innerhalb von 3 Tagen neue passende Teile. In der Serie ist der Fehler gleich mit behoben worden.
Jetzt war es kein Problem die Teile zu fixieren, die Löcher für Wellen und Ruder zu bohren und anschließend die Wellen und Führungen für die Ruder einzukleben. Anschließend wurden die Steven fest verklebt und verspachtelt. Die schmale Kante (Verlängerung des Kiels) habe ich mit einem U-Profil aus Messing verstärkt. Bei Grundberührung könnte das Teil vielleicht doch Schaden nehmen und auch an Land hätte es brechen können. Man kann ja nie wissen was passiert, also lieber gleich vorsorgen.
Beim Bau der Ruderblätter gab es keine Probleme. Das Rohr in das die Ruderblätter eingefügt werden müssen, bekommt einen Schlitz in das das Ruderblatt eingeschoben werden muss. Mit einer guten Trennscheibe und viel Fingerspitzengefühl klappt das recht gut. Beim einschieben der Welle in den Ruderkoker kam ein Fehler zutage. Das Ruder saß schief!
Wichtiger Tipp: Die Ruderkoker erst einkleben wenn das Ruder fertig ist, dann kann man den Koker passend zur Lage des Ruders einkleben. Ich musste leider die Koker wieder aus dem Rumpf lösen und dann neu ausrichten. Danach hat es perfekt gepasst.
Die Servoaufnahmen habe ich an die vorhandenen Servos anpasst. Die Öffnungen der Oberteile waren zu klein. Die Schlitze für die Kabeldurchführung habe ich vergrößert damit die Stecker durchgeführt werden konnten.
Für einen eventuellen Servowechsel ist das unbedingt notwendig.
Dann habe ich die Servohalter mittig in „Bug und Heck“ eingeklebt.
Die beiden Motoren sind mit doppelseitigen Klebeband am Kiel verklebt.
Rechts und links davon liegen die Akkus. So ist auf jeden Fall eine gute Gewichtsverteilung gewährleistet.
Sollte es notwendig werden kann ich die Motoren immer noch anders befestigen. An die Technik kommt man auch später noch gut ran.
Ein wenig Gedanken machte ich mir über die Auflage des Aufbaus auf dem Rumpf. Da die umlaufende Platte aus 2-mm-Polystyrol auf dem Rumpf eine leichte Wölbung hat, sollte der Aufbau möglichst genau aufliegen. Im Fahrbetrieb kann das Wasser sonst ungehindert zwischen den beiden Teilen eindringen.
Ich habe also erst einmal den Aufbau zusammengebaut und erhielt so die exakte Wölbung. Dazu habe ich den Aufbau
und die Platte mit Klebeband verbunden und auf den Rumpf gesetzt. Ich hatte Glück und der Rumpf musste kaum
nachgearbeitet werden.
Jetzt musste die Auflageplatte auf den Rumpf geklebt werden. Genaues Ausrichten war hier erforderlich. Die
vier Löcher in der Platte und dem Aufbau garantieren eine genaue Lage beider Teile. Dazu muss man nur vier Rohrstücke
durch die Löcher schieben, eine einfache, aber wirksame Lösung. Um die Auflagefläche zwischen GFK-Rumpf und Rahmen zu verbreitern, wurde in den Rumpf an der Oberkante 2 x 2-mm- Polystyrolprofil geklebt. Das erhöht die
Festigkeit. Zusätzlich habe ich von innen noch Zwei-Komponentenkleber reinlaufen lassen.
Es wird vorgeschlagen, den Aufbau mit Magneten zu sichern. Wirklich wasserdicht kam mir das aber nicht vor. Bei mir wird der Aufbau mit vier Gewindeschrauben auf dem Rumpf fixiert.
Diese befinden sich im Fahrgastraum und sind fest im Rumpf verklebt. Da sie etwas schräg stehen, halten sie den Aufbau von selbst fest. Zwischen Aufbau und Rumpf kommt dann Fotokleber, das hält dicht, lässt sich aber auch wieder lösen.
Der Rumpf wurde nun von außen gespachtelt und geschliffen und war damit fertig zum Lackieren.
Nach einer Grundierung habe ich mit Elita-Farben gestrichen. Die Farben decken sehr gut und verlaufen hervorragend. Zwei Anstriche sind allerdings erforderlich.
In der Zwischenzeit habe ich mich mit dem Dach beschäftigt. In gleichmäßigen Abständen werden 1x1mm breite Leisten auf das Dach geklebt. Um die Abstände genau einzuhalten legt man das Dach parallel auf die Zeichnung, richtet Zeichnung und Dach aus und verlängert die Linien auf der Zeichnung auf das Dach.
Dann klebt man die Leisten auf und schon hat man die genauen Abstände und die richtige Anzahl. Die überstehenden Leisten schneidet man ab und schrägt sie leicht an. So hat man keine Kanten an denen man hängenbleibt. Bei der Lackierung des Daches ging dann einiges schief. Lack und Kunststoff mochten sich nicht und so musste ich das Dach neu machen. Ich hatte noch einen Restbestand einer kupferkaschierten Pertinaxplatte die mir als Grundplatte gut gefiel. Das alte Dach diente als Muster und so hatte ich die passenden Außenmaße. Für die Leisten nahm ich 1x1mm Messingprofile, die auf das Dach gelötet wurden. Ich hatte mir in der Zwischenzeit Gedanken gemacht wie man ohne großen Aufwand das Modell laden und einschalten könnte. Der Maschinenschacht bot genug Platz für Schalter und Ladebuchsen. Also habe ich das Dach über dem Schacht ausgeschnitten, die Einheit mit dem Schornstein, den Lüftern und dem Oberlicht aus dem alten Dach getrennt und abnehmbar auf das neue Dach gesetzt. Ein Rahmen aus Messingprofilen sichert die Einheit.
In den fertig lackierten Rumpf konnte jetzt die Technik eingebaut werden. Die Wellen wurden im Lagerbereich leicht gefettet und eingebaut. Die beiden Propeller fanden auch ihren Platz. Sie wurden mit Kontermuttern gesichert.
Das Binden des Empfängers machte ein Kollege von mir und auch die Einstellung im Sender gab ich in seine Hände.
Dann habe ich die Motoren angeschlossen (man achte auf die Laufrichtung) und die Servos hatten jetzt ihre Mittelstellung und konnten mit den Rudern verbunden werden.
Für die Ansteuerung der Positionslampen bekomme ich einen Baustein angefertigt, der bei Richtungsänderung die Positionsleuchten richtig schaltet.
In einer kleinen Wanne konnte nun auch die Dichtigkeit des Rumpfes geprüft und die genaue Lage austariert werden. Das Gewicht liegt jetzt bei ca. 610 Gramm.
Der Aufbau wurde zusammengebaut und lackiert.
Bevor die beiden extra Dachteile verklebt wurden, musste erst das Deck beplankt werden. Das Beplanken ist ein Geduldsspiel. Die Planken sind schmal und die Flächen sind im Verhältnis dazu relativ groß. Verklebt werden die Planken mit Sekundenkleber. Ich habe damit die besten Erfahrungen gemacht. Ist alles beplankt, wird geschliffen und mit Klarlack seidenmatt versiegelt.
In den Maschinenschacht habe ich den Ein-Ausschalter eingesetzt, ebenso die Buchsen zum Laden des Akkus. Sie sind so eingebaut, dass sie nicht in den Rumpf ragen, denn dort ist es zu eng. Eine Steckerverbindung erlaubt es Aufbau und Rumpf zu trennen, was hoffentlich nur selten notwendig sein wird.
Die Namenszüge sind auf extra Platten angebracht. Und an den Aufbau geklebt.
Als nächsten Schritt habe ich die hölzernen Fensterrahmen passend geschliffen und erst einmal zwischengelagert. Die beiden Führerhäuser bekamen noch einen Farbanstrich und dann wurden die farblos lackierten Fensterrahmen incl. der Scheiben eingesetzt.
Jede Öffnung musste allerdings etwas nachgearbeitet werden. Mit Kunststoffkleber wurden die Rahmen von innen verklebt. Die extra Dachteile wurden angeklebt und die Stützen angebracht. Ebenso die Reling und die Eingangsteile.
Für die Positionslampen wurden in das fertige Dachteil farbige LEDs eingeklebt. Die Messinglampen sind mit dem abnehmbaren Dach fest verbunden. Da die LEDs farbig sind konnte auf die Innenteile der Messinglampen verzichtet werden. Wenn man das Dach mal abnehmen sollte hätte das auch nicht gepasst.
Jetzt mussten noch die beiden Masten mit den Positionslampen aus Messingrohr gebaut werden. Unten bekamen sie einen kleinen Fuß und oben eine Kugel mit einer Bohrung. Hier habe ich die Leine für die Flagge durchgezogen und die Verspannung für die Masten befestigt.
Um das abnehmbare Dachteil zu fixieren habe ich eine kleine Scheibe angelötet. Sie drückt das Dachteil nach unten. Beide Masten sind mit einer Leine verbunden. Das ist nicht original, aber dient der Stabilität.
Die Dächer der Führerhäuser bekamen noch eine dickere Führungsplatte um einen sicheren Sitz zu garantieren.
Die Bänke wurden zusammengebaut und im Innenraum und auf dem Deck verklebt.
Das Modell hat eine Grundplatte mit Haube bekommen und so ist der Transport und die staubfreie Aufbewahrung gesichert.
Von einem Vereinskollegen habe ich noch etliche Figuren im Maßstab 1:50 erhalten und konnte so die Bänke mit Leben füllen.
Das Modell ist außergewöhnlich und mit den kleinen Änderungen auch praxisgerecht geworden, wenn auch mit kleinen kleinen Abstrichen gegenüber dem Original.
