"Schiffsmodellbau anno 1964"

von Harald Schmidt

 

Von 1963 - 1966 entstand meine Hafenbarkasse ATAIR.


Abmessungen

Länge ü.a.: 790 mm / Breite: 215 mm / Tiefgang: ca. 50 mm / Maßstab: ca. 1:25.

 

 

Baumaterial:

Spanten aus einem Holzbrett, Beplankung und Aufbau aus Blech von Kondensmilchdosen, verlötet.

Antrieb: 1 Stück Monoperm Super, Typ 6V/1000, , Leerlauf 7000 U/min, Gewicht 90g, auf 1 Ms-Propeller Ø 30 mm,

1 Balanceruder.

Beim späteren Einbau der RC-Anlage „Multiplex mini 2“, Frequenz: 27 MHz (Wechselquarze), Fahrtregler, Umbau auf Kortdüsenruder und neuer Motor, Graupner, Jumbo 540, 6V, Leerlauf 13.500 U/min Gewicht 166g,.

Glasurit Lacke.

 

Werkzeug:

Handbohrmaschine, Metallbohrern, Laub- und Puksäge, Holzraspel, Schrupp- und Schlichtfeile, Schmirgelleinen, Blechschere, Wasserpumpen- Kombi- und Kneifzange, Pinsel, 300g-Hammer, verschiedene Schraubendreher, Feilkloben, Schieblehre, Lötkolben, -fett und Wasser, Salmiakstein, Schraubzwinge, Reißnadel und Körner.

 

Baubeschreibung:

Während meiner Lehrzeit lernte ich u.a. technisches Zeichnen und auch die Blechbearbeitung.

Geld war knapp, Ideen reichlich vorhanden und der Blick für vorhandene, kostenlose Materialien geschärft.

Unterwasserschiffe hatte ich auf der Alsterwerft im Osterbekkanal gesehen. Die von Barkassen auf der Elbe bei hohem Wellengang, wenn das Schiff vorn oder achtern aus dem Wasser kam. Sonstige Vorlagen fand ich in Büchern.

Vom Straken hatte ich wenig Ahnung. Die Spanten entstanden aus einem 18 mm dicken Holzbrett. „Gestrakt „ wurde mittels

Raspel und befeilen mit Schrupp- und Schlichtfeile und Augenmaß.

In meinem Elternhaus gab es zum Kaffee Kondensmilch (Büchsen/Dosen).

Die Dosen von Libby´s + Glücksklee waren wegen ihrer geringen Blechstärke        (0,2-0,3 mm) die am besten geeigneten.

Von den Weißblechdosen trennte ich Deckel und Boden ab, schnitt den Ring an der Lötnaht auf und hatte so eine Blechplatte, aus der meine gewünschten Rumpfplatten entstanden. Diese befestigte ich überlappend mit Linsensenkkopfholzschrauben 7x1,5 mm, verchromt, an den Spanten.

Mit einem 150 Watt Lötkolben und Stangenlötzinn, unter Verwendung von Lötfett und Lötwasser, verlötete ich alles, einschließlich der Schraubenschlitze. Der Rumpf sah wie genietet aus (so ungefähr jedenfalls).

Für die Wallschiene lötete ich Hartlot Ø5mm an den Rumpf, oben und unten Blechstücke und an der Außenkante wieder Hartlot Ø5mm. Das verhindert Rumpfschäden am Schiff.

Die Aufbauten entstanden auch aus diesem Material. Ich baute eine Innenschale mit Steuerhaus und Motorabdeckung, die als Ganzes herausnehmbar ist und nur seitlich mit dem Schandeck aufliegt.


Das Persenningdach aus Stoffresten - mit Latten aus Schweißdraht - und die vorschriftsmäßige Beleuchtung waren schnell hergestellt und angebaut.

Da eine RC-Anlage nicht finanzierbar war, kam ich auf folgende Idee um das Schiff zu steuern.

Eine Achse erhielt auf der einen Seite den Schlepphaken und auf dem anderen Ende ein Zahnrad. Dieses greift unter Deck in ein zweites Zahnrad, das über einen Hebel mit dem Ruder verbunden ist. Kommt jetzt Zug von Steuerbord, dreht das Ruder nach Backbord und das Schiff kommt wieder gerade vor den Anhang.

Um zu vermeiden, dass das Schlepptau nicht vom Schlepphaken rutschte, ersann ich die auf dem Foto gezeigte Konstruktion.

Alles bisher Beschriebene entstand auf unserem Küchentisch.

Wurde der Tisch anderweitig gebraucht, musste ich einräumen.



 

Sehr viel später rechte es doch noch für eine RC-Anlage! Ich erwarb eine "Multiplex mini2".

 

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