Baubericht von Rainer Vesterling

 

Schnellfrachtschiff MS "Friesenstein"

Maßstab 1:100

 

Nachdem im Sommer 2014 meine zweite „ Bleichen“ fertig war, war die Überlegung, was ich als nächstes Modell bauen könnte. Ich hatte von unserem Modell-Bau-Kollegen Uwe Plantener einen Rumpf und Bauunterlagen für einen Zerstörer

Z 9- 13 (1934) bekommen, aber auf „grau“ hatte ich im Moment keine Lust. So reifte dann der Entschluss für die „Friesenstein“.

 

Die technischen Daten der „ Friesenstein“

Reederei: Norddeutscher Lloyd

Erstes von sieben Schwesterschiffen

Bau-Nr. 567, Baujahr 1967, Lübecker Flender Werke AG

Länge: 161,7 m

Breite: 22,5 m

Tiefgang: 8,8 m

Geschwindigkeit: 21,5 Kn

BRT: 10481

Besatzung: 46

Passagiere: 12

Ostasien-Dienst

 

Den Bauplan und ca. 120 Fotos hatte ich vor ca. 20 Jahren von Hans-Jürgen bekommen (kopiert bzw. Negative).

Die hatte er damals schon gebaut und dann an einen Interessenten verkauft.

Jetzt musste meine Frau nur noch überzeugt werden. Ich habe keinen Hobby-Keller, das heißt, meine Modelle entstehen auf dem „Küchentisch“. Ich habe zwar meine Modell-Bau-Ecke im Wohnbereich ( 140 x 60 cm) , aber ein Modell dieser Größe

ist dann doch eine Herausforderung, zumal der Rumpf selbst gebaut werden musste. Er ist für dieses Modell nicht erhältlich.

Von meiner Frau kam dann auch ganz schnell grünes Licht: „Mach Du nur, worauf Du Lust hast“. Das war Musik in meinen Ohren.

Anfang Oktober 2014 war dann Kiellegung.

Der Rumpfbau erfolgte auf Spanten. Beplankt wurde mit 1mm Balsaholz. Das Laminieren erfolgte mit Expoxid-Harz und Matte innen und außen. Expoxid-Harz war für mich eine Premiere, da ich der Geruchsbelästigung durch

Polyester-Harz vermeiden wollte, klappte aber auch sehr gut. Nach dem Aushärten ( ca. 24 Stunden) wurde der Rumpf erst einmal zur Seite gestellt, da das Schleifen und Spachteln auf dem Balkon erfolgen musste. In den Wintermonaten ist das nicht so prickelnd.

Also musste ich aufs Frühjahr warten.

Es gab aber noch genug zu tun. So wurde der gesamte Brückenaufbau aus Polystyrol (0,3-1 mm), Holz und Messing erstellt.

Über 50 Winden in verschiedenen Größen und Formen wurden gefertigt.  Die vier Bordkräne sind im Rohbau fertig. Ebenso die Luken und die drei Windenhäuser.Hier komme ich aber z.Z. nicht weiter, weil ich erst den fertigen Rumpf (Deck) haben muss, um eine optimale Passgenauigkeit zu erzielen.

Inzwischen haben wir Anfang Mai 2015 und der Rumpf hat seine ersten Schleifbehandlungen hinter sich. Es wird bis zum endgültigen Ergebnis aber noch etwas dauern.


Der gesamte Mai 2015 ging mit schleifen und spachteln am Rumpf drauf, aber dann konnte mit dem Innenausbau begonnen werden.

Als nächstes habe ich einen Boden, 2 mm Sperrholz, eigesetzt.

Dann kamen Ruderkoker und Stevenrohr. Als Motor habe ich einen Bühler- Motor 12 Volt/ 3300 Umdrehungen genommen, hierfür musste eine Halterung gebaut werden. Dann wurden für die Akkus (2x 12V/ 7A) Halterungen gebaut und so im Rumpf positioniert, dass eine gleichmäßige Gewichtsverteilung gegeben ist. Ich muss wahrscheinlich sowieso noch ca. 2 kg Gewicht zupacken, so dass Korrekturen noch möglich sind, Platz ist im Rumpf genug.

Das Deck habe ich aus 1 mm Polystyrol gefertigt, ebenso ist das  Schanzkleid aus 0,75 mm Polystyrol hergestellt.

Die Bereiche unter den Luken wurden vor Montage des Decks ausgesägt und mit einem Süllrand versehen. Die Luken sind abnehmbar, so dass

hier ein Zugang zum Rumpfinneren möglich ist. Auf dem Brückendeck befinden sich 3 Luken für die Proviantübernahme. Unter der BB-Luke wurde Schalter und Ladebuchsen „versteckt“.

Da ich eher der„Holzwurm“ bin und kein„Metaller“, hab ich mich nach reiflicher Überlegung entschlossen, die Lade-pfosten und Ladebäume aus Holz zu fertigen.

Leichter gesagt als getan. Das, was an Rundhölzern im Modellbau angeboten wird, ist eine Katastrophe (scheef, as den Schipper sien Been). Nach langem Suchen wurde ich in einem Baumarkt fündig, der Preis war wahrscheinlich so günstig, weil nicht „Modellbau“ drauf stand.

Die 3 Windendecks wurden nach und nach bestückt, die ca. 50 Winden wurden mit Seil belegt (Polyester-Faden, farblich

Stahlseil angepasst). Die ca. 150 Blöcke hatte ich schon vorher aus 0,3 mm Polystyrol ausgesägt. Dazu habe ich acht Streifen Polystyrol an einer Längskante zusammen geklebt, die Blockmaße aufgezeichnet und ausgesägt, so dass acht Seitenteile zur Verfügung standen (vier Blöcke). Dazwischen kam eine 1 mm dicke Scheibe von einem 2 mm Rundmaterial.

Die Prozedur wurde wiederholt, bis eine genügende Anzahl von Blöcken zur Verfügung stand. Ich weiß, dass man die Blöcke auch als Ätzteile kaufen kann, aber bei mir darf man ruhig sehen, dass die Teile selber gebaut sind.

August war Urlaubszeit.

Anfang September ging der Spaß weiter. Ich habe als nächstes die vier Bordkrane fertiggestellt, div. Lüfter, Poller und ähnliche Kleinteile wurden an ihren Platz gebracht. Die bestellten Lademarken/ Ahmings waren inzwischen gekommen und konnten montiert werden.

Das Ganze sah schon sehr ansprechend aus und hatte

durch die Aufbauten doch erheblich an Ausmaß zugenommen.

Ein paar Kleinteile fehlen noch am Modell (Gangway), aber im Moment fehlt mir der Antrieb. 

Den ersten Wasserkontakt wird „Friesenstein“ wahrscheinlich 2016 in Planten un Blomen haben.