Tina

Eine Legende erwacht zu neuem Leben

 

Im Bullauge 4/2009 wurde durch die Familie Streich ein neuer Liegeplatz für die „TINA„ gesucht.

Da ich die „TINA“ von einer Ausstellung und unserem Film „ SMC – Hamburg, Ein Club stellt sich vor“ aus dem Jahr 2000 kannte und daher gute Vorstellungen über das Modell hatte, habe ich einige Zeit überlegt ob ich es übernehmen sollte.

Ich habe mit meiner meiner Frau darüber gesprochen, ihre Reaktion war: mach was du musst.

Ich habe mich dann entschlossen das Modell zu übernehmen, da ich eine Garage mit ausreichendem Platz zum Lagern und Arbeiten habe.

Ein kurzes Telefonat mit Rüdiger und Übergabe der Telefonnummer der Fam. Streich kam es dann zu einer  Termin-vereinbarung und am 09.12.2009 habe ich das Modell der Fam. Streich abgeholt. Das Modell war in zwei Kisten verpackt, eine mit dem Rumpf und eine für die Aufbauten. Sie lagerten im Carport im Freien, wer weiß wie lange schon. Die Familie Streich konnte mir leider keinerlei theoretischen Unterlagen( Pläne, Zeichnungen, Skizzen oder ähnliches) mitgeben, da nichts vorhanden war.

Ich habe meinem Auto ja schon einiges zugemutet, aber die Kiste mit dem Rumpf ist immerhin 255 cm lang, 50x50cm hoch und breit. Dachte mir 250 cm kriegst du rein, denkste, passte nicht. Dachgepäckträger hatte ich leider nicht mit. Also doch rein. Weitestgehend machbar, aber ca. 40 cm blieben draußen. Also mit offener Heckklappe fahren, Heizung voll an, dann los. Zu Hause hatte ich die Garage schon vorbereitet. Alleine ausladen ging ja noch. Aber dann stand die Kiste auf dem Boden, wie ca. 40 Kg, 250 cm alleine auf die Böcke bringen. Ich habe meine Frau gefragt und sie hat mir dann geholfen. Erneute Reaktion von ihr: Du spinnst wie willst du das bewegen? Ging mir dann auch so durch den Kopf. Erst einmal etwas Ruhe einkehren lassen. Da die Garage zwar mit Licht versorgt werden kann, aber nicht heizbar ist habe ich auf etwas besseres Wetter gewartet.

Die Kiste mit den Aufbauten habe ich in meine Kellerwerkstatt gebracht und einer ersten Sichtung unterzogen. Hier zeigten sich die ersten Probleme. Die Aufbauten sind mit einigen Funktionen versehen, Beiboot ablassen und Licht in verschiedenen

Funktionen. Dabei zeigten sich auch einige blinde Passagiere in Form von Holzwürmern in der Kiste. Die Sichtung der Kiste mit dem Rumpf brachte einige Überraschungen zu Tage. In der Kiste und im Rumpf war so einiges an Kleinteile versteckt. Den Rumpf habe ich erst einmal so wie er war in der Kiste belassen. Ich musste erst einmal eine gute Kiste suchen um alles was im Rumpf an losen Teilen lag einzusammeln und gesondert zu sichten um seine Funktionen zuordnen zu können.

Der Zustand des Rumpfes an sich ist mit gut zu bezeichnen, was man von der verbauten Elektrik und Elektronik nicht unbedingt behaupten konnte. Gerd hatte die „TINA“ für einige Funktionen vorbereitet bzw. eingebaut: Bugstrahlruder, Ankerwinde, beide Ladewinden, Motor, Ruder, Beiboot absenken und heben, Licht, zwei selbstflutende Tanks mit ca. 13 Liter. Volumen. Die für die Steuerung der Funktionen notwendige Elektrik war im Heckbereich auf engstem Raum untergebracht.

Der Antriebsmotor war ein unbekanntes Modell ohne irgendwelche Leistungsdaten. Die Kraftübertragung auf die Welle mit dem 80 mm Propeller sollte über einen Gummitrieb erfolgen, welcher absolut verschlissen und damit unbrauchbar war. Der Rest war ein einziges Kabelgewirr, dem ich keine konkreten Funktionen zu zuordnen konnte. Das ganze wurde erst einmal in Fotos und Videoclips festgehalten. Auf Grund des insgesamt desolaten Zustandes der Elektrik und Elektronik habe ich dann erst einmal alles entfernt. Lediglich der Motor und das Ruderservo verblieben an ihrem Platz. Dabei stellte sich heraus, dass auch die Trägerplatte des Ruderservos und des Motors bereits von blinden Passagieren besetzt war, Holzwürmer. Also alle Holzteile sichten und durch Plaste ersetzen. Motor, Wellenanlage ausgebaut und gereinigt. Von der Wellenanlage den Ölschmierer entfernt, das Stevenrohr mit Graphitfett gefüllt und alles wieder montiert. Den Motor im ausgebauten Zustand getestet und wieder eingebaut. Da die alten Zahnriemenräder nicht mehr verwendbar waren, mussten von Conrad neue her, ebenso ein neuer Zahnriemen. Die Bohrungen der Zahnriemenräder mussten an die Welle des Motors und der Antriebswelle angepasst werden. Das habe ich dann auch noch hingekriegt.

Für das Ruderservo musste auch eine neue Grundplatte gefertigt werden(Holzwurm). Auch das wurde in kurzer Zeit realisiert. Alle anderen Funktionen waren erst einmal Nebensache. Antrieb und Steuerung hatten Vorrang, damit das Schiff wieder ins Wasser konnte. Im April war es dann soweit. Mit Jörk hatten wir uns einen Termin ausgesucht und dann ging es zum Stadtparksee.

Dort konnte erst einmal nichts passieren. Wir konnten das Schiff wieder bergen, wenn etwas nicht so funktionieren sollte wie es geplant war. Schiff auspacken und vorbereiten, Akku und Gewichte bereitgelegt und den Rumpf ohne Aufbauten ins Wasser gesetzt und dann warten bis sich der Tank gefüllt hatte. Danach dann den Akku ( 12V 10Ah ) eingesetzt und mit den mitgebrachten Gewichten das Schiff ausgewogen und grob getrimmt. Es waren ca.30 kg Gewicht notwendig, neben den

ca.15Ltr.Wasser. Erster Funktionstest ergab: alles funktioniert. Dann kam die erste Testfahrt. Das Ergebnis war nicht überzeugend. Das Schiff schlich nur durch das Wasser, kein nennenswertes Wellenbild. Nach 5 – 6 Minuten Fahrt war

dann Schluss mit lustig, Akku leer.

Alles raus und nach Hause, dort den Motor wieder ausgebaut. Jetzt wurde der Motor genauer unter die Lupe genommen. Er hatte drei Kabel zum anschließen. Der Test ergab ein erschreckendes Bild. Eine Variante der Anschlussmöglichkeit erbrachte einen“geringen“ Stromverbrauch (7 A) bei niedriger Drehzahl. Die andere Variante brachte eine höhere Drehzahl aber auch eine Stromaufnahme von 34 A !!!!

Daher auch kein Wunder, dass der Akku so schnell leer war. Ergebnis: dieser Motor ist nicht verwendbar. Nun war guter

Rat teuer. Ich habe meinen großen Bestand an Motoren durchgesehen, da findet sich garantiert für den einen oder anderen noch ein Motor. Für mich fand ich dabei einen 12 V Gefegmotor. Der passte aber nicht in die vorhandene Motorhalterung.

Also wurde eine neue gebaut, denn der Termin des Schaufahren im Mai war nicht mehr weit. Das Bugstrahlruder sollte ja auch noch funktionieren. Die Elektrik und Elektronik für alle Funktionen wurden dann auf eine Große Plasteplatte mittschiffs im Laderaum untergebracht. Dadurch ergibt sich ein sehr guter Zugang durch die große Luke. Ich habe die vorhandenen Bauelemente wiederverwendet. Das waren der Servo mit entsprechendem Sprungschalter. Nur für die Motorsteuerung habe ich einen neuen vorhandenen elektronischen Fahrregler eingesetzt, denn vorher war nur eine einfache Umsteuerunsschaltung per Sprungschalter vorhanden. Bei der Instandsetzung des Bugstrahlruders ergab sich das nächste Problemdenn es gab keinen Zugang. Der Tank im Vorschiff war im Weg. Diesen habe ich dann ausgebaut und komplett weggelassen, damit war der Zugang zum Bugstrahler frei. Die Funktion im Trockentest war o.k. Nebenbei habe ich noch dem Beiboot zur Funktion verholfen, sodass ich es jetzt fieren und hieven kann. Der Termin In Planten und Bloomen rückte immer näher. Zeit für weitere Test gab es nicht mehr.

Das Schaufahren in P & B war schwierig, es war sehr stürmisch. Beim Fahren stellte sich heraus, dass der Motor nicht die notwendige Kraft für ein so großes Modell hat. Die Fahrgeschwindigkeit war zu niedrig um gegen den Wind anzufahren. Auch die Leistung des Bugstrahlruders reichte nicht aus um das Schiff zu drehen. Aber dafür funktionierte das fieren und hieven des Beibootes zufriedenstellend. Fazit dieses ersten größeren Einsatzes: Bugstrahlruder und Motorleistung bedürfen einer

kompletten Überarbeitung. Diese Probleme, die gelöst werden mussten, zwangen mich zu einer intensiveren Beschäftigung mit dem Modell um die verwendeten Arbeitstechnologien, die von Gerd angewand wurden zu verstehen. Um an dem Bugstrahlruder arbeiten zu können müsste man das Backdeck entfernen können. Da ich mich ja mit dem Modell und Gerd seinen Ideen auseinandersetzen musste, gab es dafür bestimmt auch eine Lösung. Hier kam nun meine Endoskopkamera zum Einsatz, um mir einen Überblick vom Inneren des Rumpfes, der nicht so ohne weiteres einsehbar war, zu

verschaffen. Diese Aufnahmen brachten weitere Details und interessante Arbeitstechniken ans Tageslicht.

Um nun Zugang zum Bugstrahlruder zu erhalten musste ich auf dem Backdeck das Mannloch entfernen, ebenso die Klüsen für die Anker. Das war von Gerd so vorgesehen. Dann noch zwei Schrauben auf dem Deck entfernen und dieses ließ sich dann um 3 cm nach achtern verschieben und entfernen. Eine interessante Lösung. Danach konnte ich bequem und ohne mir die Finger zu verbiegen am Bugstrahlruder arbeiten. Jetzt stellte ich fest warum das BSR( Bugstrahlruder) nicht richtig arbeitete. Der Antriebsriemen war total verschlissen und müsste durch einen neuen ersetzt werden, ich habe aber so etwas nicht. Als erst mal das Alte entfernen und nachdenken. Beim Ausbau merkte ich dann, dass das Paddel an einem Punkt klemmt. Nun musste ich das komplette BSR entfernen. Auf der Drehbank stellte ich dann fest: Welle verbogen, also vorsichtig richten. Nach Wiedereinbau lief das Paddel schön leicht und rund. Gleichzeitig habe ich alles schön saubergemacht und neu gefettet. Einen komplett neuen Antrieb gebaut und den Motor direkt mit der Welle gekoppelt. Das Problem war gelöst.

Noch hatte ich aber keinen neuen Antriebsmotor. Wo bekommt man so etwas großes und leistungsfähiges bei geringem Stromverbrauch her? Schwiegersohn? Autoverwertung? Beim nächsten Besuch in Flensburg dann mal geschaut und fündig geworden. Ein Motörchen vom BMW Kühlerlüfter. 17 Wicklungen, im Leerlauf 3,5 A Stromaufnahme.

Zu Hause den Motor dann richtig vermessen, eine neue Motorhalterung gefertigt und eingebaut. Das Ergebnis sieht man an den Bildern. Beide Funktionen bestens. Nebenher noch die ganze Elektronik auf eine große Plasteplatte neu aufgebaut unter Verwendung der alten Technologie.

Das Fahren im August zeigte dann das ich mit meinen Überlegungen zu den Fahreigenschaften richtig gelegen habe. Als nächste Aufgabe steht eine Generalüberholung des Farbanstriches des Rumpfes an. Die alte Farbe ist vor allem im

Unterwasserbereich gerissen und schon teilweise abgeblättert. Diese Arbeiten können aber erst Frühjahr gemacht werden, wenn das Wetter besser ist und ich in der Garage wieder arbeiten kann. Dazu muss die alte Farbe bis auf das Holz runter, um dann eine Epoxid- Schicht zum Schutz des Holzes aufbringen zu können. Sonst kann ich den Rumpf nach kurzer Zeit vergessen. Die Elektronik der einzelnen Funktionen soll ebenfalls noch überholt werden.

Das sind die Aufgaben für 2011 zur Erhaltung der Tina.