Schippern auf der Hanseboot
Am 21.09.11 erhielt ich von Frau Garschke die Anfrage, ob wir bereit wären auf der „hanseboot“ vom 30.10.11 bis zum 06.11.11 täglich für jeweils eine halbe Stunde zu schippern. Sechs bis acht Mitglieder müssten pro Tag zu diesem Schippern kommen. Ich fragte also im Club nach und konnte kurz darauf Frau Garschke die Zusage geben.
Jetzt begann für mich der organisatorische Teil. Wer ist an welchen Tagen bereit, mit welchem Modell zu schippern? Welche Kanäle hatten die Modelle? Da wir nur fünf Parkausweise zur Verfügung hatten war auch zu klären, wer bei wem jeweils mitfährt. Zum Glück haben wir schon langjährige Erfahrung solche Veranstaltungen zu organisieren, so dass die Liste, wer wann mit welchem Modell fahren soll, schnell erstellt war. Ich verabredete mich also mit Frau Garschke und holte die Eintrittskarten ab. Dann gab es ein paar Überraschungen. Ein Teilnehmer fiel mit Krankheit aus und dann kam wenige Tage vor dem Start eine Nachricht von der Messe, dass wir aus technischen Gründen in eine andere Halle und zu einem kleineren Becken umziehen mussten. Zu allem Überfluss auch noch zu einer anderen Zeit. Zum Glück war das alles für uns kein Problem. Dann kam die nächste Meldung von der Messe, ob wir schon am Samstag schippern könnten? Die geplanten Segler hatten abgesagt und wir sollten dafür einspringen. Obwohl das wirklich sehr kurzfristig war konnten wir wenigstens vier Mitglieder für den Samstag finden.
Am Samstag waren wir vier schon sehr rechtzeitig auf der Messe. Alles war völlig entspannt. Der Wachmann an Tor B1 war informiert, die Ausweise für uns lagen bereit und das Parken war auch kein Problem. Wir luden die Schiffe aus und gingen in die Halle B1.
Als wir das Becken sahen, waren wir erst einmal etwas geschockt. Vom Rand bis zum Wasser waren es ca. 50 cm, ohne Einsetzhilfe, die wir nicht mit hatten, ging das bei größeren Modellen gar nicht. Doch wir wären keine Modellbauer, wenn wir uns nicht zu Helfen wüssten. Wir improvisierten und schufen Abhilfe mit Spannriemen, die zu einer Einsatzhilfe umfunktioniert wurden.
Schlimmer war allerdings, dass rund um das Becken ein Steg gebaut war, unter den man mit kleinen Booten hätte fahren können. Es gab leider keinen Schutz der ein Unterfahren verhindert hätte. Sollte ein Modell versehentlich unter den Steg kommen, so war die Gefahr groß, dass die Aufbauten beschädigt werden. Es war also vorsichtiges Fahren angesagt. Damit fiel auch das Schippern für kleine Zuschauer leider aus. Auch der Einsatz der beiden großen Segler von Rainer und Uwe war unmöglich geworden. Ich informierte die Beiden noch am gleichen Tag. Sie sind dann mit anderen Modellen gekommen.
Da wir so früh auf der Messe waren, konnten wir uns den Programmpunkt vor unserem Auftritt noch ansehen und um 11:30 Uhr setzten wir unsere Modelle ein. Ich habe während dessen ein Interview mit den Themen, Vorstellung des Vereins, Erklärung zu den Modellen und was alles zum Modellbau gehört, geben. Nach ca. 20 Minuten konnte ich noch fix mein Beiboot der Stril Poseidon zu Wasser bringen. Ich hatte einen neuen Satz Akkus bekommen und das sollte die Premiere sein. Zu Anfang klappte das auch gut, aber dann geriet ich kurz unter den Steg. Der Aufbau fiel um und das Boot war unter dem Deck verschwunden. Ich holte das Modell wieder aus dem Wasser und stellte zum Glück fest, dass bis auf zwei rausgerutschte Relingstützen nichts passiert war. Die „Gry Maritha“ hatte ich zwar mit, aber unsere halbe Stunde war schon vorbei und so blieb sie trocken. Pünktlich nahmen wir unsere Modelle aus dem Wasser und packten ein.
Nach uns kam eine Vorführung mit zwei Rettungshunden. Ganz liebe Hunde, die ich sofort begrüßte. Die nächste halbe Stunde war ich Handlanger für die vorführende Dame und Hundeaufpasser. Das hat viel Spaß gemacht und sollte für die restlichen Tage ein Dauerjob werden.
Am Sonntag, holte ich Thomas ab. Da Thomas und ich schon recht früh auf der Messe waren, machten wir erst einmal einen kleinen Rundgang. In der Nähe eines Standes, der fertige Schiffsmodelle verkauft, trafen wir Wolf, der mit uns zu diesem Stand mitging. Er hatte sich dort nämlich das Modell eines Rivabootes reserviert. Ein sehr schönes Modell, das er nur noch fahrfertig ausbauen muss. Der Preis ist für ein solches Modell unschlagbar günstig.
Zurück zum Becken unsere Mannschaft für den heutigen Tag war vollzählig. Der Ablauf war wie am Vortag. Ich habe dem Moderator Rede und Antwort gestanden und hatte leider dadurch nur eine viertel Stunde zum Schippern. Dafür musste jetzt Günter über das Dampfboot Hans erzählen. Heute ging alles glatt. Keine Schäden an den Modellen. Mit einer für den Stand zuständigen Dame hatten wir uns über die Konstruktion der Beckenanlage unterhalten. Sollte es im nächsten Jahr wieder eine solche Anlage geben, wird diese dann einige Änderungen erhalten.
Nachdem wir wieder die Modelle aus dem Wasser genommen hatten, war für mich wieder Hundeführer angesagt. Während die Hundetrainerin interviewt wurde, hatte ich Mühe, die Hunde daran zu hindern ins Wasser zu springen. Zum Ende der Aktion half ich noch die Hunde aus dem Wasser zu hieven. Was macht ein Hund, wenn er nass ist? Er schüttelt sich! Ein großer Hund hat viel Wasser im Fell und das meiste davon hatte ich dann in meinen Klamotten.
Ganz unter dem Motto „das kann doch einen Seemann nicht erschüttern“ sind Thomas und ich trotzdem noch in die Halle mit den Motorbooten gegangen. Wir stellten fest, dass es auch Motorboote mit E-Antrieb gibt. In einigen Gewässern ist das auch die einzige erlaubte Art der Motorisierung. Es geht aber auch mit kleinen Dieselmotoren in Binnengewässern den Verbrauch erstaunlich niedrig zu halten. Der eine tankt maximal 100 Liter Diesel, der andere 3000 Liter Super. Bei dem einen reicht das für ca. 50 Stunden, bei dem anderen wohl nur für 20 Stunden. Alles eine Frage der Geschwindigkeit. Nach einer Stunde Rundgang war ich auch wieder trocken und ich brachte Thomas nach Hause.
Montag ist mein dritter Tag. Schiffsmodelle und Hundeführer stehen auf dem Programm. Ich war etwas später als sonst auf der Messe. Wir konnten ganz in der Nähe unseres Halleneingangs parken. Man hatte viel Verständnis dafür, dass unsere Modelle teilweise recht schwer sind.
Ich hatte noch Zeit, wieder durch ein paar Hallen zu gehen und bei den Fertigmodellen mit dem Betreuer des Standes zu sprechen. Die Modelle werden in Vietnam gefertigt und auch Wunschmodelle können innerhalb kurzer Zeit gefertigt werden. Bei den historischen Modellen muss man unter Berücksichtigung des Preises natürlich Abstriche machen. Das Deck ist ansatzweise richtig beplankt, aber maßstäblich sieht anders aus.
Unser Auftritt um 11:30 Uhr lief nach dem gleichen Schema wie an den Vortagen ab. Es waren allerdings nur sehr wenig Zuschauer am Becken. Ok, es war Montag, und auch in den Hallen war es ruhiger als an den Wochenenden. Wir spulten unser Programm ab und gaben Erklärungen zu den Modellen. Ich half wieder bei den Hunden und danach ging ich mit Horst und Björn über die Messe. Als wir wieder zum Becken zurückkamen habe ich wieder den Hundeführer gemacht und bin dann nach Hause gefahren.
01.11.11, heute war eigentlich ein normaler Schippertag. Wir spulten unser Programm ab, alles klappte wie gewohnt gut und ich habe wieder das Frage- und Antwortspiel gemacht. Langsam bekommt man Routine, man erzählt halt in Variationen das Gleiche wie am Vortag. Anschließend war ich wieder Hundeführer
Heute am 02.11. war es etwas aufregender. Der NDR wollte die Vorführung der Rettungshunde für das Journal um 18:00 Uhr aufzeichnen. Wir spulten unser Programm ab, das Fernsehen machte dabei offensichtlich ein paar Aufnahmen. Ich wollte mit meiner „PT 19“ noch ein paar Minuten fahren aber ein Schalter an der Fernsteuerung, ( habe ich erst zu Hause gemerkt, ) stand falsch und es gab deshalb eine Fehlfunktion. War eigentlich auch egal. Ich bin an den ganzen Tagen ja kaum zum Fahren gekommen.
Das Fernsehen hatte sich in der Zwischenzeit etabliert. Eine Kamera für das Becken und eine Kamera für den Moderator. Heute waren vier Hunde im Einsatz. Ein Hund im Wasser, einer im Boot und ich hatte mit dem Bernhardiner und Popeye ( Basset Hound ) neben dem Moderator Platz genommen. Frau Otto spulte im Wasser ihr Programm ab und ich kämpfte mit dem 85 kg schweren Bernhardiner, der sein Frauchen retten wollte. Popeye war zum Glück nicht bemüht, das Gleiche zu versuchen. Ich musste nur aufpassen, dass der Bernhardiner nicht auf den Basset-Hund trat. Abends wurde das Ganze gesendet, Elke im Wasser und ich als Hundebändiger.
Die letzten Tage auf der Messe waren dann wie gehabt. Am Wochenende waren natürlich wesentlich mehr Zuschauer am Becken als in der Woche. Schiffsmodelle sind halt ein Publikumsmagnet.
Wir hatten noch genügend Zeit, uns umzusehen und mit einigen Ausstellern nette Gespräche zu führen. Am Sonntag war unsere letzte Vorführung um 12:00 Uhr zu Ende. Ich war an allen neun Tagen vor Ort. Es ist immer wieder schön unser Hobby zu zeigen und zu erklären. Spaß hat es jedenfalls gemacht, natürlich auch mein Nebenjob als „Hundeführer“. Ich werde die Vierbeiner vermissen.
Während wir geschippert sind lief im Hintergrund unser Film ab. Leider hatte ich die CD am letzten Tag in dem Abspielgerät vergessen. Als ich am 10.11. die Vereins-CD abholte, lag ein Zettel in dem Umschlag mit folgendem Text:
Lieber Herr Berdrow,
schön, dass Sie und die Clubmitglieder zum Gelingen der 52. Hanseboot beigetragen haben!
Herzlichen Dank sagt das Hanseboot-Team.Ihre J. Reinhardt
PS: Gruß von Frau Garschke, die heute leider nicht im Hause ist.
Offensichtlich haben wir einen guten Eindruck hinterlassen. Vielen Dank dafür an die SMCler, die zum Gelingen mit beigetragen haben. (wrb)