Schiffsmodellbau-Club Hamburg e.V.

(seit 1963)

" GRY MARITHA " - Baubericht

Schiffsmodell Frachter Gray Maritha

 

Ich baue den Versorger "Gry Maritha"

Es handelt sich um einen Baukasten der Firma Krick© und ist aus der Serie der englischen Schiffsmodelle des Herstellers The Model Slipway England©.
Mit diesen Bausätzen habe ich schon zwei ansprechende Modelle mit Erfolg gebaut - zuletzt den Schlepper "Al Khubar"

Meine Entscheidung zum Bau dieses Typs ist das nicht alltägliche Erscheinungsbild des Modells, sowie die reichhaltige Ausstattung mit Beschlagteilen. Der Einbau von diversen Sonderfunktionen ist möglich.
Der Bausatz ist im Maßstab 1:40 hergestellt und enthält ca. 1300 Einzelteile. GFK Rumpf, bedruckte bzw. vorgestanzte Polystyrolplatten und reichlich Zinngussteile (hier habe ich nachgewogen: 1400 Gramm!!!) waren beigelegt. Ferner waren noch Holzleisten, Drähte, farbige Fotografien und deutsche Bauanleitungen mit Plänen enthalten.
Der aufwendige Baukasten setzt Erfahrung im Modellbau voraus. Deshalb verweise ich auf die umfangreiche Bauanleitung und gehe nachfolgend nur auf meine Praktiken und Sonderfunktionen ein.

Planung und Bau:

Die Minimalmotorisierung - Motor mit Gummiband befestigt - muss für mich erst einmal einem anspruchsvolleren Antrieb weichen:

2 Motoren Gefeg / VDO
M 48 / 25 bei 12 Volt mit 2800 1/min
5 NCM Akkus ca. 1 Ampére (Fa. Conrad)
2 Wellen Kugellager wasserdicht
M 4 260
Best.Nr.: 530 408 (Fa. Krick)

Zunächst Ablängen und Zusammenbau der Wellen.
Anfertigung von neuen Wellenblöcken mit Lagerung an Stelle der Zinnteile. Als Lagerung verwendete ich die abgeschnittenen Enden eines Stevenrohres mit Sinterbuchsen.

Der Einbau der Antriebsanlage erfolgte nach den Maßangaben im Bauplan. An das Ende des Kiels schraubte ich einen Hilfsspant, an den die Enden der Schraubenwellen fixiert sind und somit parallel geführt werden. Den Motorspant sägte ich aus 10 mm starkem Plexiglas versehen mit Bohrungen für die Stirnlochmontage der Motoren. Anschließend klebte ich den Spant mit angebauten Motorenkupplungen und Wellen in den Rumpf ein. Als Kleber hat sich hier UHU© Acrylit bestens bewährt. Nach Aushärtung des Klebers wurden die Wellenböcke vervollständigt und am Rumpf verklebt. Nun wurde der Hilfsspant abgenommen und die Schiffsschraube gegen andere aus Messing, 4 Blatt Durchmesser 45 mm links und rechtdrehend, ausgetauscht. Auch die Ruderblätter mit Wellen aus Zinnguss genügten nicht meinen Anforderungen an das Modell. Die Ruderblätter stellte ich aus 0,3 mm starkem Messingblech her. Die Ruderwellen ersetzte ich durch 3 mm starke Messingwellen. Das Blech wurde entsprechend der Blattform gefaltet, die Ruderwelle eingeführt, oben und unten mit Lot fixiert und anschließend außen herum geschlossen und verlötet. Dadurch entsteht das Ruderblattprofil. Die Originalruderblätter erschienen mir recht klein. Darum vergrößerte ich die Blätter um 3 mm in der Breite und 6 mm in der Höhe.

Rumpfausbau:

Die vorgesehenen Deckbalken ersetzte ich durch fertig T - Profil:

Unter dem vorderen Deckshaus zog ich zur Aufnahme der Elektronikbauteile einen Zwischenboden ein. Mittschiffs baute ich als Akkuauflage einen Doppelboden wie folgt ein:
Zunächst wurden zwei Hilfsspanten an der Rumpfform angepasst. Untereinander im Abstand von 370 mm und 18 mm zur Kiellinie, passte ich die Spanten der Rumpfform so an, dass die 2 mm starke Auflage aus Polystorol plan auflag. Den vorhandenen Hohlraum füllte ich als Ballast mit fast 2 kg Schweißelektroden. Damit sie später nicht ihre Lage verändern und verrutschen, verklebte ich die Enden mit einem Heißkleber.
Neben dem Backbordmotor brachte ich einen Seekasten mit zwei Schlauchanschlüssen an. Hieraus sollen eine Kühlwasserimitation und ein Löschmonitor versorgt werden.

Bau der Lukendeckel:

In der Anleitung ist die Ausührung der Lukendeckel wahlweise einteilig fest oder zweiteilig beweglich vorgesehen. Ich entschied mich für die zweite Variante. Nur wie bauen? Von Hand zu betätigen oder elektrisch angetrieben? Nach vielen überlegungen stand mein Konzept dann fest: Betätigung durch Zug und Druck anstelle der imitierten Hydraulik. Der Antrieb soll unter Deck geschehen unter Zuhilfenahme eines Getriebemotors mit Hebelübersetzung. Als Erstes baute ich die Lukendeckel nach der Anleitung "beweglich". Hierbei möchte ich noch auf das präzise Arbeiten hinweisen, damit später alles leichtgängig ist. Ergänzend zum Bausatz, habe ich die vorgesehenen Laufrollen gegen Messingrollen (Durchmesser 5 mm) ausgetauscht und die Laufschienen durch T-Profile ersetzt. über Winkelhebel wird die Bewegung auf die Getriebemotoren übertragen (20G - 380; 380 : 1 von Fa. Conrad ©). Der Abtrieb am Motor besteht aus einer selbstgefertigten Excenterscheibe. Bei dieser Anordnung bewegt sich die Luke kontinuierlich "auf" und "zu". Es entfällt somit eine Endabschaltung und Motorumpolung.

Vor dem Einsetzen der Decksteile empfiehlt es sich (wegen besserer Zugänglichkeit) alle Arbeiten am Rumpf zu vollenden:

Zwischenzeitlich zerlegte ich die Mechanik der Lukendeckel und lackierte sie.

Danach erfolgte der endgültige Zusammenbau aller ausgebauten Teile und das Einkleben in den Rumpf.
Die Getriebemotoren wurden an die Deckbalken (Nr.: 2) montiert, justiert und ausprobiert.
Zum Schluss des ersten Teils, wurde noch das Achterdeck eingesetzt. Bis zum Oberdeck war nun der Rohbau fertiggestellt.

Bau der Deckshäuser:

Weitere Arbeiten beginnen mit dem Bau der achteren Deckshäuser nach Plan.
Hier sind lediglich die angedeuteten Leuchtstofflampen durch klare Korblampen aus dem Graupner® Programm ersetzt. Die Verschaltung von jeweils 2 Lampen in Reihe (Graupner hat 3 Volt) muss vor dem Aufsetzen der Deckshäuser geschehen.

Das Ruderhaus habe ich abnehmbar und mit einem entsprechenden Süll auf dem Bootsdeck gebaut. Unter dem Fahrstand ist ein Stecker mit Buchse fest eingebaut, der später die elektrischen Verbindungen beim Aufsetzen des Deckshauses herstellt. SUB - Adapter Stecker / Buchsen 9-polig sind bei Conrad Electronic® zu bekommen.

Mit Polystyrolstreifen 1,5 mm² wurden noch Fensterrahmen aufgeklebt. Das sieht einfach besser aus.

Auf Anraten eines Clubkollegen, habe ich noch Schlingerkiele angebracht. Die Abschrägung am Rumpf bot sich hierfür gut an. Der Schlingerkiel hat eine Länge von 280 mm bei einer Höhe von 9 mm und besteht aus dem Material Polystyrol in der Dicke von 1,5 mm. Die Aussenkante wurde von unten mit Halbrundmaterial abgeschlossen. Der Kiel wurde zwischen 2 Streifen geklebt.

Die Lackierung:

Danach beginnen noch die Vorbereitungen zum Lackieren. Der Farbaufbau nach dem Schleifen und Spachteln erfolgt durch Grundierung, Decklack und klaren Mattlack.
Nach diesen Zusatzarbeiten wurde das Modell mit Autolack aus der Sprühdose fertig gespritzt. Ganz wichtig ist meines Erachtens auch das Anbringen der Auflagen für das Pallholz, bevor das Achterdeck grün lackiert wird.

Um die Übersicht nicht zu verlieren, habe ich Ausrüstungen sektionsweise gebaut, lackiert und angebracht, so z.B. das Vorschiff komplett fertiggestellt.

Der Mastbau:

Um eine Beleuchtung und ein funktionsfähiges Radar zu erhalten, habe ich den Mast aus Messingrohr, Blech und Draht nachgebaut (siehe Skizze). Der Scheinwerfer auf dem Dach leuchtet weit mit einer weißen LED eingebaut in einem billigen Plastikteil. Im Ruderhaus wurden Kontrolllampen in den Fahrstand, in die Schalttafel und eine Kartentischbeleuchtung installiert. Die Technik dafür ist ganz simpel: 2 mm Löcher in die Paneele bohren und nach dem Lackieren bunte Mikrolampen von unten mit Sekundenkleber ankleben.

Bootsdeck:

Hier ist ergänzend zur Baubeschreibung das Beiboot und die Löschkanone zu beschreiben.

Rettungsboote:

Zuerst klebte ich die Tiefziehteile für das Beiboot zusammen. Anschliessend trennte ich das Oberteil unterhalb der Scheuerleiste ab. Innen im Rumpf brachte ich aus dünnen Streifen einen Falz an. Der nächste Schritt ist die Lackierung, das Unterteil orange, die Abdeckung grün. Als Plane verwendete ich Material einer Strumpfhose dieses läßt sich gut überziehen und je nach Straffung scheint die grüne Farbe durch. Anschliessend die Abdeckung mit dem Rumpf verkleben. Als weiteres Detail wurden rechts und links am Boot Abweiser aus Draht gefertigt, oben mit Ösen zum Aufhängen. Zum Abschluß die Beschriftung aufbringen und alles mit Klarlack matt überspritzen. Beim Platzieren des Rettungsbootes sollte auf die korrekte Darstellung der Seile und Hydraulikleitungen an den Davids nicht verzichtet werden.

Löschkanone:

Der Nachbau der Löschkanone erfolgt aus Messingrohr 5 und 6 mm Durchmesser. Standrohr und Spritze wurden mit einem Doppelgelenk verbunden. Als Düse fand eine Kugelschreiberspitze Verwendung. Um einen einwandfreien Wasserstrahl zu erreichen, muß man die Kugel an der Mine abschleifen und durch Probieren den richtigen Durchmesser der Düse heraus finden. Dann Zusammenbau mit Schlauch 3,5 mm. Die ganze Einheit steckt in einer Hülse an Deck und ist somit drehbar. Die Neigung ist mit einem Aufsteller regulierbar.

Hauptdeck:

Die Decksbeplankung aus dem Bausatz war mir zu klobig, ich verwendete dafür Leisten in 2 mm Stärke. Weiterer Ergänzung bedarf der Container. Beschriftungen und Verschlüsse habe ich nach Vorlagen und Fotos aus einer Zeitschrift nachgemacht. Eine zusätzliche Deckladung ist ein Rohrbündel aus 6 Plastikrohren 160x10 mm orange lackiert. Auf der Halterung des Deckshauses achtern Backboard legte ich eine Gangway, mit klappbarem Handlauf und Trittleisten. An der Reling achtern am Deckshaus baute ich noch einen Handkran als Ersatz für das Gerät neben der Maschinenraumtür. Sonstige Ausrüstungen wurden nach Plan aufgestellt.

Hydraulischer Kran:

Eigentlich war es mir schon vorher klar, dass der Kran, nach den Ladeluken auch funktionsfähig sein muß. Diese Aufgabe schob ich noch vor mir her, das ganze Schiff war inzwischen schon fertig gebaut. Viele Überlegungen waren nötig: Das vorhandene Material soll verwendet werden um das äussere Erscheinungsbild nicht zu verändern und ausserdem die Mechanik ohne Drehbank und Fräsmaschine zu bauen. Zunächst begann der Bau des Krangehäuses und Ausleger nach Plan und Anleitung. Den Ausleger verstärkte ich mit einer eingelegten Holzleiste. Am Krangehäuse war nur die Lagerung für den Ausleger mit Blech zu verstärken. Die Achse bekam noch eine passende Buchse im Ausleger. Der Zusammenbau der Kransäule aus Plastikrohr und dem Gußteil als Drehkranz ist im Bausatz vorgesehen. Das Krangehäuse dreht sich in einer Scheibe im Drehkranz. Um einen Antrieb zu erhalten habe ich in diese Scheibe ein Rohr mit 5 mm Durchmesser eingeklebt.

Die Mechanik ist der Hubzylinder für den Ausleger. Durch Drehen einer Gewindestange in einer Hülse wird die Funktion einer Hydraulik nachempfunden. An Material benötige ich Messingrohr in verschiedenen Abmessungen, Gewinde sowie eine Seele aus einer Fahrradbremse.

Bau der Krankabine war der nächste Schritt. Zusätzlich Fensterrahmen eingesetzt, Inneneinrichtung mit Handauflagen, Joystick rechts und links sowie Sessel für den Kranführer.

Auf dem Deck baute ich einen Halogenstrahler aus dem Robbe Programm, den ich mit einer weissen LED bestückte.

Der Aufbau des Krans auf dem Deck bedarf weiterer Kriterien. Möglichkeit der Demontage, Abstand zu den geöffneten Luken. An die Kransäule habe ich nun einen Flansch mit 46 mm Aussendurchmesser angesetzt und das vorgegebene Loch im Deck soweit möglich nach Aussen versetzt. Mit 3 Schrauben ist die Kraneinheit auf dem Deck montiert. Es klappt; entgegen der Bauanleitung lassen sich nun die Ladeluken öffnen ohne vorher den Kran nach vorne zu drehen.

Die weitere Mechanik befindet sich unter Deck. An die Bordwand baue ich eine Konsole zur Aufnahme der Kranachse in einem Gegenlager. An diese Achse ist mit einem Doppelrohr der Motor für den Hub mit einer Schelle befestigt und eine Keilriemenscheibe für den Drehantrieb. Nachdem der Kran ausgerichtet war, habe ich die Anlenkung für den Hubzylinder unter den Ausleger gesetzt. Nun machte ich mir Gedanken um die leichtgängige Führung des Zugseils. Die Lösung war eine funktionsfähige Schnurrolle an der Kabeltrommel auf dem Ausleger, ebenso die Umlenkung am Ende. Auch der Kranhaken bekam eine Rolle. Das Gehäuse hierfür baute ich im Verbund aus Messingblech und Blei, um Gewicht zu bringen. Das Seil führte ich über die Kabeltrommel durch das Krangehäuse und die Achse zu einem Antrieb im Schiffsrumpf. Details sind in der Skizze zu sehen. Gesteuert wird der Kran über 3 kleine Fahrregler, zusätzlich schalte ich mit einem vierten Schaltkanal die Stromzufuhr über ein Relais ein, der Halogenstrahler ist als Kontrolle mit aufgeschaltet. Beim Probebetrieb traten trotz aller Sorgfalt Probleme mit dem Seil auf. Der Kranhaken verdrehte und senkte sich ohne Last nicht gleichmäßig ab. Auch gab es Schlingenbildung auf der Antriebstrommel. Ursache war das 3 kardeelige zu faserige Takelgarn. Nach weiteren Versuchen mit verschiedenen Schnüren erwies sich textile Hechtschnur aus dem Angelshop als geeignet. Mit der Stellschraube an der Kranachse läßt sich das Arbeitsfeld einstellen, denn der Drehwinkel ist durch das Anschlagen des Hubmotors an der Bordwand auf ca. 270° begrenzt. Wobei der schwach eingestellte Keilriemen gefahrlos durchrutscht. Aus Sicherheitsgründen für diesen Antrieb keine Zahnriemen oder Zahnräder verwenden.

Badewannentest:

Beim Test in der Badewanne habe ich das Schiff mit 2 Akkus 12 V 7 Ah ausgetrimmt. Die Wasserlinie hat sich 5 mm unter dem Wasserpass eingestellt.

Mit der Jungfernfahrt auf dem Gewässer war ich sehr zufrieden. Das Modell lag stabil im Wasser und zeigte ein schönes Wellenbild. Ich glaube mit diesem Modell in Zukunft viel Freude beim Schippern zu haben. Vielleicht ergibt sich mit anderen Modellbauern die Gelegenheit zu Vergleichsfahrten. Mich würde es sehr interessieren, ob die angebauten Schlingerleisten etwas bringen, auch sind in der Auswahl der Antriebsanlagen unterschiedliche Konzepte anzutreffen.

Nun hoffe ich, dass ich einige gute Hinweise und Tipps geben konnte und wünsche viel Spaß beim Bau von Schiffsmodellen. (dg)